Für den neuen Nahverkehrsplan im Kreis Mettmann fordert die UWG-Kreistagsfraktion ein verkehrspolitisches Leitbild mit spürbaren Verbesserungen für die Fahrgäste.

Ein neuer Nahverkehrsplan für den Kreis Mettmann entsteht nicht alle Tage. Umso wichtiger ist es, von Anfang an die richtigen Schwerpunkte zu setzen. Ein verkehrspolitisches Leitbild darf nicht bloß ein Wunschkonzert sein, in dem alle Anforderungen gleichrangig nebeneinanderstehen. Wir als UWG-Kreistagsfraktion fordern eine klare Prioritätensetzung aus Sicht derer, die täglich auf Bus und Bahn angewiesen sind – sowie der Kommunen, die das Angebot mitfinanzieren.
Ein attraktiver ÖPNV ist der Schlüssel für echte Klimaschutz- und Verkehrspolitik. Aber die Menschen steigen im Alltag nur dann dauerhaft auf Busse und Bahnen um, wenn das Angebot verlässlich funktioniert.
Unsere 4 Prioritäten für den Nahverkehrsplan:
- Pünktlichkeit und Verlässlichkeit: Der veröffentlichte Fahrplan ist ein Leistungsversprechen! Pünktlichkeit muss die wichtigste messbare Qualitätsnorm werden. Dazu gehören die tatsächliche Einhaltung der Fahrzeiten, minimale Fahrtausfälle, funktionierende Umsteigeverbindungen und schnelle Informationen im Störungsfall. Wir fordern daher konkrete Zielwerte für jede Linie, verknüpft mit echten Finanzsanktionen bei Verstößen. Verspätungen und Ausfälle sollten transparent nach Kommunen aufgeschlüsselt auf der Kreis-Homepage veröffentlicht werden.
- Sicherheit und Barrierefreiheit: Fahrgäste müssen sich von der Haltestelle bis zum Ausstieg sicher fühlen. Das bedeutet: gut beleuchtete Haltestellen, geschultes Personal, funktionierende Notrufe und Schutz vor Belästigung. Barrierefreiheit ist dabei kein Luxus, sondern die Grundvoraussetzung für gleichberechtigte Mobilität von Kindern, Senioren und Menschen mit Behinderungen. Für den konkreten Betriebsablauf gilt unabhängig von der politischen Prioritätenfolge: Sicherheit geht vor Pünktlichkeit. Sicherheitsbedingte Verzögerungen dürfen daher nicht sanktioniert werden.
- Kosteneffizienz und wirtschaftlicher Mitteleinsatz: ÖPNV wird mit öffentlichen Geldern finanziert. Angesichts knapper kommunaler Kassen muss jeder Euro maximalen Nutzen bringen. Kosteneffizienz bedeutet für uns nicht Billigheimer-Politik oder Leistungsabbau, sondern das beste Verhältnis aus Kosten, Qualität und Verkehrsleistung. Daher fordern wir verbindliche und transparente Pönalen für Verkehrsunternehmen bei vermeidbaren Ausfällen, falschen Fahrgastinfos oder schlechten Qualitätsstandards. Die Einnahmen aus diesen Strafeinzahlungen müssen zweckgebunden in die Verbesserung des Angebots fließen.
- Komfort: Saubere Fahrzeuge, funktionierende Klimaanlagen und bequeme Sitze sind wichtig, stehen in der Hierarchie aber hinter Pünktlichkeit und Sicherheit. Selbst der bequemste Sitzplatz hilft niemandem, wenn der Bus gar nicht erst kommt.
Eine unabhängige Ombudsstelle für Fahrgäste
Fahrgäste dürfen bei Problemen nicht länger zwischen Kreis, Verkehrsverbund (VRR) und den einzelnen Busunternehmen hin- und hergeschoben werden. Wir schlagen die Einrichtung einer unabhängigen, zentralen Ombudsstelle im Kreis Mettmann. Sie soll:
- Beschwerden zentral entgegennehmen und Fristen überwachen,
- zwischen Fahrgästen und Unternehmen vermitteln,
- wiederkehrende Schwachstellen im Netz systematisch aufdecken,
- Statistiken des VRR unabhängig kontrollieren und
- Pönalen einfordern sowie durchsetzen.
Der Kreis Mettmann braucht einen Nahverkehr, der im Alltag hält, was er verspricht. Er muss verlässliche und kosteneffizient sein – und sollte messbar und öffentlich nachvollziehbar sein.